Eigene Touren
Radscheune
VSF. Für Mensch und Rad

2012 | Neuseeland

Das Trailparadies am schönsten Ende der Welt im Jahr nach dem großen Beben.

Frank startet Mitte Januar auf der Nordinsel, Marlis und dieses Mal Gela und Fred stoßen zwei Wochen später dazu. Ich besuche unsere Freunde in Rotorua, in dessen Wäldern das Wegenetz wächst, wie anderswo der Rasen. Unser Freund Gaz zeigt uns jedes Mal die neuentstandenen Kostbarkeiten, wie ein Junge, der seinem Freund sein neuestes Spielzeug vorführt. Gaz ist Mitte 50. Und wenn wir die neuen Trails unter die Reifen nehmen, dann sind die Geräusche, die wir von uns geben definitiv nicht altersgemäß. Die Singlespeed-WM in Rotorua 2010 war nach der Mountainbike-WM 2006 nur ein weiterer Schritt dieses Ortes in Richtung globaler Hot Spot.

Wir treffen uns alle in Christchurch und mieten für die Rundreise auf der Südinsel ein Wohnmobil. Wie die Stadt mit den Auswirkungen des Erdbebens im Februar 2011 umgeht, ist bemerkenswert. Obwohl die Innenstadt immer noch zu großen Teilen  abgesperrt ist und viele Gebäude in Trümmern liegen oder auf den Abriss warten, gibt es viele Zeichen der Hoffnung. Die provisorische „Container Mall“, in der sich viele Shops, die zerstört wurden, angesiedelt haben, ist nicht nur eine gute Übergangslösung, sondern fast schon ein architektonisches Kleinod. Die mit Blumen geschmückten Absperrkegel, die die Umleitungen markieren, zeigen trotz der Trauer auch den Optimismus der Einwohner. Obwohl noch immer 5.000 Wohnhäuser abgerissen werden müssen und von den 390.000 Einwohnern 60.000 die Stadt verlassen haben, sind wir uns sicher, dass in Christchurch in den nächsten Jahren viel Außergewöhnliches entstehen wird.

Über Arthurs Pass führt uns der Weg an die Westküste, auf dem Inland Pack Track durch den Dschungel, der Copland Track bringt uns zu den Hot Pools am Fuße der Alpen, es vergeht kein Tag ohne Bad in kristallklarem Wasser und Unterwegssein in bildschönen Landschaften. Nach Wanaka erreichen wir schließlich unsere zweite Heimat Queenstown, wo wir unsere Freunde Tony und Sue nach fünf Jahren wiedersehen. Wir beziehen unser Basecamp am Lake Wakatipu und starten von hier Trips nach Dunedin und Milford Sound. Doch die spannendste Frage in Queenstown ist immer die nach neuen Trails. Jedes Mal bei der Abreise sagen wir: Viel besser geht’s nicht! Und jedes Mal nach der Anreise: Wow! So auch dieses Mal. Das, was hier in den letzten fünf Jahren wieder dazugekommen ist, hat uns so begeistert, dass wir spontan Fördermitglied des „Queenstown Mountainbike Club“ geworden sind. Der hat hier ganze Arbeit geleistet.

Wir verbringen herrliche Stunden auf Trails, die jedes Biker-Herz höher schlagen lassen.Der nagelneue Bikepark an der Skyline-Gondel begeistert sogar Fred als Tourenbiker, der hier seine geliebten Alpen-Abfahrten sechs mal am Tag fahren kann. Und ohne die Schnee-Tragepassage vorher! Wir verlassen Queenstown nach zwei Wochen und kurz danach Neuseeland mit dem guten Gefühl, dass die Spielwiese hier für Biker weiter und schöner wächst, als je zuvor. Dank vieler fleißiger Hände und getreu dem Motto: Man hört nicht auf zu spielen, weil man älter wird. Man wird älter, weil man aufhört zu spielen!

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